Pünktlich nach dem für Hersteller von Süßwaren wichtigen Weihnachtsgeschäft gab die Europäische Kommission bekannt, dass sie der geplanten Übernahme des britischen Schokoladenproduzenten Cadbury durch Kraft Foods zustimmt. Der amerikanische Lebensmittelriese, dessen europäische Tochter in Zürich sitzt, bietet rund zehn Milliarden Pfund (etwa 11,1 Milliarden Euro) für das britische Unternehmen. Wegen der unterschiedlichen Verteilung der Hauptmärkte beider Konzerne erteilte die Kommission die
Genehmigung zur Fusion mit wenigen Auflagen.
Feindliche Übernahme geplantBereits seit mehreren Monaten laufen Übernahmeverhandlungen zwischen den beiden Konzernen. Ein formelles Angebot im vergangen September schlug Cadbury (
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dt Homepage) eine feindliche Übernahme vor. Am 9. November wurde ein Übernahmeangebot an die Cadbury Aktionäre gesetzt, zugleich wurde die potentielle Fusion zur Prüfung durch die Europäische Kommission auf Basis der Verordnung über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (VO (EG)
139/2004) angemeldet.
Wichtigstes Produkt von Cadbury sind die Schokoladentafeln "Dairy Milk Bars", mit denen der Hersteller in Großbritannien und Irland hohe Marktanteile einfährt. Auch für die wesentlich breiter aufgestellten Kraft Foods Corporation, nach Nestlé zweitgrößter Nahrungsmittelhersteller der Welt, stellt das Süßwarengeschäft einen wichtigen Absatzbereich dar. Mit Marken wie Milka, Toblerone oder Mirabell dominiert Kraft den Schokolademarkt auf dem europäischen Festland.
Genehmigung mit AuflagenAngesichts dieser unterschiedlichen regionalen Schwerpunkte sieht Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes (die künftig zu den Agenden Informationsgesellschaft und Medien wechseln soll) keinen Grund für eine Blockade der Übernahme durch die europäischen Behörden. Einzig für den polnischen und rumänischen Markt sind Auflagen vorgesehen. In diesen Ländern dominieren Kraft und Cadbury gemeinsam einen großen Teil des Markts für Schokoladetafeln. Sollte die Fusion zustande kommen, müsste Kraft die polnische Cadbury-Marke 'Wedel' sowie den rumänischen Hersteller 'Kandia', den Cadbury vor zwei Jahren übernommen hatte, abstoßen. Die Kraft Corporation hat den Auflagen, die gemäß Art 8 Abs 2 der Fusionskontrolle-Verordnung gestellt wurden, bereits zugestimmt.
Kampf um Platz einsDurch die Übernahme von Cadbury plant Kraft, Nestlé zu überholen und weltweit Nummer eins im Nahrungsbereich zu werden. Cadbury hingegen stemmt sich weiter gegen die Fusion. Die Hoffnung der Aktionäre auf Gegengebote von Nestlé wurden enttäuscht, als die Schweizer offiziell ein Angebot ausschlossen. Einzig verbliebene potentielle Konkurrenten für Kraft sind der italienische Hersteller Ferrero und die US-amerikanische Hershey, denen Pläne zu einem gemeinsamen Angebot nachgesagt werden.