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GESCHLECHTLICHE DISKRIMINIERUNG

Olympische Spiele 2010 ohne Skispringerinnen


Ein kanadisches Gericht hat die Diskriminierung von Skispringerinnen allein wegen ihres Geschlechtes anerkannt. Auf den Fall ist aber kein kanadisches Recht anwendbar. Skisprung wäre die einzige Disziplin der olympischen Spiele, die nicht für Männer und Frauen offen ist. Die Klägerinnen wollen dagegen beim Supreme Court berufen.

Richterin Lauri Ann Fenlon hatte im Sommer eine Diskriminierung der Sportlerinnen allein wegen ihres Geschlechtes anerkannt - entschied jedoch ebenso, dass auf den Fall kein kanadisches Recht anzuwenden ist. Ross Clark, Anwalt der Skispringerinnen, kündigte nun an, die Entscheidung vor dem Supreme Court zu bekämpfen. Im Urteil (Sagen et al vs VANOC) hatte das Gericht festgestellt, dass das kanadische Organisationskomitee VANOC keinen Bruch der kanadischen "Charta der Rechte und Freiheiten" begangen hat, wie von den Klägerinnen geltend gemacht. Allein das IOC ( Internationale Olymische Kommitte) könne die Diskriminierung aufheben, indem es Frauen-Skispringen zulasse, so das Urteil. Damit geben sich die, bereits zweimal vor Gericht gescheiterten Skispringerinnen, im Kampf um die Aufnahme ihrer Disziplin ins Programm der Olympischen Winterspiele in Vancouver 2010 nicht zufrieden. Die Entscheidung wies Jacques Rogge (IOC-Präsident) nach Berichten der Kleinen Zeitung und derstandard teilweise zurück, es handle sich um keine Diskriminierung der Frauen. Von Seiten des IOC werden die Skispringerinnen daher nicht zugelassen.

Verwässerung der Medaille oder Diskriminierung

Der Punkt 5 der grundlegenden Prinzipien der Olympischen Charta besagt, dass  jede Form von Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar sei. Trotzdem hat Jacques Rogge die Forderung von kanadischen Frauenrechtlerinnen nach Aufnahme des Skispringens für Frauen bei den Winterspielen von Vancouver 2010 zurückgeweisen. Diese Entscheidung sei keine Diskriminierung des weiblichen Geschlechts, sondern unter rein sportlichen Erwägungen gefallen, sagte der Belgier während seines Inspektionsbesuches in Vancouver. Weiters meinte er gegenüber diestandard, dass es international noch zu wenige Frauen, die diese Disziplin auf hohem Niveau bestreiten geben würde. Der Wert einer olympischen Medaille würde verwässert, wenn wir den Wettbewerb schon jetzt ins Programm aufnähmen. Die Liste an qualifizierten Teilnehmerinnen bei der "Vier-Schanzen-Tournee der Damen" 2009 weist aber zahlreiche Skispringerinnen aus. Die Jahre zuvor wurde die fehlende Weltmeisterschaft Skispringen der Frauen angeprangert, doch die Premiere fand 2009 im tschechischen Liberec statt. Das IOC sei sehr an einer größeren Frauenquote bei den Spielen interessiert, aber sportliche Qualität sei erste Voraussetzung, meint Rogge weiter. Allerdings bewies die Österreicherin Daniela Iraschko bereits 2002, dass sich Frauenskisprung mit dem Männerskisprung messen kann. Sie sprang auf eine Weite von 200 Meter (Weltrekord).

Steiniger Weg der Anerkennung

Noch in den Neunzigern verbreitete Gian-Franco Kasper, Generalsekretär des Internationalen Skiverbandes (FIS) und ehemaliger Olympier, die Erkenntnis, die Emanzipation habe auf diesem Gebiet keine Chance, schließlich zerstöre beim Skispringen die Wucht des Aufsprungs die Gebärmutter der Frauen (siehe FAZ). Helmut Weinbuch vom Deutschen Skiverband fand überdies, die weibliche Wirbelsäule sei der Belastung bei der Landung nicht gewachsen. Diese Behauptung müsste eigentlich schon seit dem ersten Skiflug einer Frau im Jahre 1911 widerlegt sein. Aber das IOC hat nicht nur ein Problem mit Skispringerinnen. Boxerinnen dürfen sich nach jahrelangen Kampf erstmals bei den Sommerspielen 2012 in London olympisch messen. Hier werden ähnliche diskriminierende Argumentationen (zu wenig Teilnehmerinnen ua) verwendet wie bei den Skispringerinnen. Weitere Informationen über die geschichtliche Entwicklung des Frauensports und dessen lange Geschichte des Kampfes um Gleichbehandlung findet sich auf diestandard.



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