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18 Forderungen, die in diesen Tagen von der '
Arbeitsgruppe Juridicum' ebenso propagiert werden wie von der
Fakultätsvertretung, sind innerhalb des Juridicums die sichtbarste Folge der momentanen Studierendenbewegung. Die Forderungsliste war das Ergebnis einer HörerInnenversammlung im U 10 (Juridicum Journal
berichtete). Mit Dekan Heinz Mayer sprach das Juridicum über die Proteste, die Forderungen und allgemein über die Situation der Fakultät für Rechtswissenschaften.
Gesittete Bewegung im HausVon der kurzzeitigen Besetzung des U 10 vor zwei Wochen hat Heinz Mayer am nächsten Tag erfahren, bei der HörerInnenversammlung letzten Dienstag am selben Ort war er nicht. Er habe aber gehört, dass beides recht gesittet verlaufen sei. Differenzierter sieht er die Besetzung, die am Anfang und im Zentrum der Studierendenbewegung steht. Mayer begrüße zwar, dass Studenten sich gegen gewisse Dinge wehren. Das sei
dringend notwendig und erforderlich. Jedoch hätte man seiner Meinung nach einen anderen Raum wählen sollen. Im Audimax würden nun vor allem Erstsemestrige am Studium gehindert.
Die 18 Forderungen am Juridicum kannte der Dekan bislang noch nicht. Bei der ersten Durchsicht der Liste bringt er den Punkten teilweise Ablehnung, teilweise Zustimmung entgegen. Das umstrittene Pflichtübungssystem sei so gewollt, hier kann Mayer sich
im Prinzip keine Änderung vorstellen. Die Erfahrung habe ihm gezeigt, dass gerade in diesen Lehrveranstaltungen
die Leute wirklich etwas lernen. Kompromissbereitschaft hingegen signalisiert er bei den Voraussetzungsketten. Hier gebe es auch Gespräche in der Studienplanleitung, denen er nicht vorweg greifen will.
Keine freien WahlfächerEine Wiedereinführung freier Wahlfächer kann sich Mayer nicht vorstellen und verweist dabei auf ein breites Angebot von Wahlfächern im Haus. Die generelle Anrechenbarkeit von Wahlfächern aus anderen Fakultäten lehnt er ab. Denn viele hätten es sich, als dies noch möglich war,
sehr leicht gemacht. Wenn es aber konkrete Vorschläge gebe, dann könne man sich eine Aufnahme in das bestehende Wahlfachangebot überlegen. Es müsse aber klar sein, dass für individuelle Spezialisierungen, die durchaus erwünscht sind, juristische Kernkompetenzen nicht zur Disposition gestellt werden dürfen. Vertiefung im Studium der Rechtswissenschaften solle deshalb innerhalb oder in der Nähe des juristischen Bereichs stattfinden.
Ausbildungsstudium und GrundlagenverständnisDie zentrale Aufgabe der Fakultät sei es nunmal, eine hervorragende juristische Ausbildung zu forcieren. Doch auch hier zeigt sich ein Konsens mit den Forderungen der Studierenden: Es müsse um das Erlernen von Grundlagenwissen und juristischen Denkkategorien gehen. Details, die sich in der stetig wachsenden Rechtsmaterie ohnehin regelmäßig ändern, sollten hier zurückgeschraubt werden.
Grundlagen und Verständnis, so Mayer,
machen einen guten Juristen aus - juristisches Köpfchen haben. Auf der anderen Seite bedarf es, betont Mayer, natürlich gewisser Details um eben jenes Denken zu erlernen.
Angesprochen auf die je nach Prüfer unterschiedlich hohen Anforderungen innerhalb eines Faches und die Forderung nach einer freien Prüferwahl, blockt Mayer ab. Freie Prüferwahl führe nur dazu, dass
alle den leichtesten Prüfer wählen.
Wenn sie einen Prüfer haben, der kein Niveau hält, ruiniert der ihnen das ganze Fach. Im Gegenzug sieht er jedoch den Bedarf nach einer stärkeren Kontrolle der Prüfer - in alle Richtungen.
Zu leicht, zu schwer, zu unfreundlich oder gar demütigend - da rennen sie bei mir offene Türen ein, dass man so etwas abstellt.
Die Bologna-Katastrophe
In der Frage der drohenden Umstellung auf ein Bachelor/Master-Studium im Sinne des Bologna-Systems bekräftigt Mayer den Kurs der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Man wehre sich weiterhin gegen eine Umstellung des Jusstudiums. Dass die Studenten dies in ihren Forderungen auch unterstützen sei erfreulich. Bei der letzten Erneuerung des Studienplans, als man starkem Druck durch das Rektorat für eine Umstellung ausgesetzt war, sei jedoch wenig Unterstützung in dieser Frage von den Studierenden gekommen.
Das Bologna-System zeige nun seine ganzen Schwächen. Das Problem liegt nach Mayers Ansicht darin, dass die Bildungsminister das neue System ohne Rückkoppelung mit den Universitäten diesen vorsetzten. Man hätte den Universitäten mehr Zeit und Möglichkeiten zur Mitgestaltung der Pläne geben müssen.
Aber so wie man das gemacht, war das eine Katastrophe. Das wird im übrigen europaweit so gesehen.Funktionierende Fakultät
Auf die Frage, ob das Juridicum im Vergleich zu anderen Fakultät mit Massenandrang besser aufgestellt wäre, verweist Mayer zunächst auf das schlechte Lehrende-Studierende-Verhältnis (circa 1:290). Dies sei nicht nur im internationalen Vergleich schlecht. Dass es an der Fakultät dennoch im Vergleich zu anderen Massenstudien in Wien bessere Verhältnisse gibt liege auch an der
recht guten Ordnung, die hier herrsche. Der Studienservice funktioniere gut und man bemühe sich gemeinsam, dass alle Studenten Pflichtübungsplätze und Prüfungstermine bekommen. Dies werde auch vom Rektor honoriert, man werde mit Verständnis und Augenmaß behandelt. Dennoch leide die Fakultät unter den Sparmaßnahmen.
Mayer marschiert mit?Er selbst wäre als Student wahrscheinlich mit auf die Straße gegangen, so Mayer. Es gebe unbestreitbar ärgerliche Dinge.
Vor allem, dass die Politik keine Verantwortung übernimmt und offenbar nicht weiß, was eine Universität braucht und wie sie tickt. Und schließlich habe er ja auch zur Zeit der 68er studiert,
da waren Demonstrationen eigentlich durchaus auf der Tagesordnung.