Für ein paar Stunden war das Juridicum Zentrum der Wiener Universitätsdebatte. Im Dachgeschoß des Juridicums lud Rektor Georg Winckler gemeinsam mit Senatspräsidenten Helmut Fuchs und dem Vorsitzenden des Universitätsrats, Max Kothbauer, zum Universität Wien Forum. Zu diesem waren neben Vertretern der Österreichischen HochschülerInnenschaft auch Teilnehmer des Audimax Plenums. Ebenso entsandten die Fakultäten Dekane und Studienprogrammleiter, auch Personalvertreter waren beteiligt. Die von den Einladenden gewünschten Ziele waren eine Diskussion der Forderungen der Studierenden mit der Universität einerseits und die Erarbeitung gemeinsamer Positionen für den Hochschuldialog mit Noch-Wissenschaftsminister Hahn am 25. November.
Breit angelegte GesprächsrundeTrotz oder wegen der großen Zahl an Teilnehmern (etwa 30 Personen) verlief die Diskussion sachlich und geordnet. Dabei gelang es streckenweise, die Themengebiete universitätsinterner und bildungspolitischer Forderungen getrennt zu behandeln. Es wurde aber auch offensichtlich, dass der zeitliche Rahmen für den Diskurs knapp angesetzt war. Bereits bei seinen eröffnenden Worten lud Rektor Winckler aber bereits zu einer weiteren Forumsveranstaltung am Juridicum für den Tag nach dem Hochschuldialog.
Der Zeitmangel blieb dennoch einer der Hauptkritikpunkte jener Teilnehmer, die aus dem Audimax zur Diskussion kamen. Wenngleich sie die Veranstaltung aufgrund der breiten Auswahl der Teilnehmer begrüßten, bekräftigten sie weiterhin ihre Aufforderung an die Universitätsleitung, sich einer Diskussion im Audimax zu stellen. Der Rektor erklärte seine Bereitschaft, betonte jedoch abermals die Forderung, dass ein solches Treffen gemeinsam mit der HochschülerInnenschaft vorbereitet werden müsse. Über die Fortdauer der Besetzung, die Winckler wie auch Dekan Mayer in Frage stellen wollten, wurde von den Studierenden keine Diskussion zugelassen.
Strukturen und DemokratisierungTeilweise Uneinigkeiten zeigten sich bei der Diskussion um die Strukturen und Entscheidungsfindung innerhalb der Universität. Personalvertreter wie Studierende zeigten eine gewisse Unzufriedenheit, von Seiten der Leitung wurde die Möglichkeiten zur Mitgestaltung betont. Es zeigte sich klar, dass trotz unterschiedlicher Auslegungen Mitbestimmung und Transparenz an der Universität verbessert werden müssen. Zur Transparenz könne das Forum im Dachgeschoß eine gewisse Vorbildwirkung für andere Gremien entwickeln. Die Diskussion wurde online live übertragen und ist auch weiterhin über die Homepage der Universität Wien
abrufbar.
Übereinstimmung: Mehr GeldDie wichtigsten Übereinstimmung war früh erkennbar: Die Akademikerquote müsse steigen und für die Universitäten solle mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Rektor Winckler rechnete vor, dass eine Erhöhung des Uni Budgets auf die von vielen Seiten seit Jahren geforderten 2 Prozent des BIP für die Universität eine Finanzspritze von etwa 200 Millionen Euro bedeuten würde, also eine Steigerung um mehr als die Hälfte. Wenngleich sich über den Ursprung der Forderung und darüber wie vehement diese bisher eingefordert wurden, Unstimmigkeiten ergaben, schienen sich alle Teilnehmer inhaltlich einig, dass die Anhebung auf dieses Niveau möglichst rasch geschehen müsse.
In Hinblick auf den Hochschuldialog blieb dies jedoch der einzige deutliche Konsens. In der Frage der Zugangsbeschränkungen nach
§ 124 b UG 2002 forderten Vertreter der ÖH ein Bekenntnis der Universität, diese Regelung für Fächer wie Publizistik nicht zu beantragen. Max Kothbauer, der Vorsitzende des Unirats, entgegnete, dass angesichts der steigenden Studentenzahlen und knapper Budgets eine vollkommen freie Studienwahl nicht auf Dauer finanzierbar sein werde.