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GEWALTPRÄVENTION

Blick hinter die Fassade am Juridicum


Eine Ausstellung im Erdgeschoß des Juridicums bietet Interessierten einen Einblick in den Alltag der häuslichen Gewalt. Die Organisatoren erhoffen sich eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema - gerade auch von angehenden Juristen.

Wer in diesen Tagen durch das Foyer des Juridicums geht, bekommt statt Werbegeschenken, Tütensuppen und Energieriegeln einen Einblick in die alltägliche Gewalt, die in vielen Familien herrscht. Die Wanderausstellung Hinter der Fassade, ein Projekt der Gewaltschutz- und Interventionsstellen Österreichs und umgesetzt von der Künstlerin Ursula Kolar-Hofstätter, gastiert für zwei Wochen in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.

Aufmerksamkeit schaffen

Maßgeblich mitbeteiligt daran, die Ausstellung in das Juridicum zu holen, war die Kriminologin Katharina Beclin. Sie erhofft sich davon, auch (angehende) Juristinnen und Juristen mit der Thematik zu erreichen. Gewalt im Familienkreis werde als Querschnittsmaterie zwischen Verwaltungs-, Straf- und Zivilrecht im Rechtsstudium oft nicht ausreichend behandelt. Und das, obwohl die einzelnen Maßnahmen erst in der Kombination ihre volle Schutzwirkung entfalten können. Auch in den einzelnen Fächern würde im Verhältnis zur hohen praktischen Relevanz zu wenig über häusliche Gewalt gesprochen.

Schon bereits im Schulalter wünschte sich Werner Doralt eine stärkere Auseinandersetzung mit der Thematik. Der Vorstand des Instituts für Finanzrecht und Unterstützer der Ausstellung wünscht sich Polizeijuristen an den Schulen, die Schülerinnen und Schüler über die rechtlichen Mittel und Wege gegen häusliche Gewalt informieren. Dem stimmte auch Maria Rösslhumer vom Verein Autonomer Österreichischer Frauenhäuser, welche die Ausstellung mitinitiiert hat, zu. Sie fordert auch die Einbindung von Gewaltpräventions- und Vermittlungsstellen in den Schulen.

Die Ausstellung

Passend dazu wird die Ausstellung am Juridicum auch von Schulklassen besucht werden. 27 Klassen mit insgesamt 530 Schülerinnen und Schülern haben sich zum Besuch angemeldet, obwohl die Ausstellung bereits zum fünften Mal in Wien gastiert. Davor war sie auch mit Ausnahme von Salzburg in sämtlichen Bundesländern zu sehen, für nächstes Jahr ist die Schau in Liechtenstein geplant.

Als frei begehbare Wohnung konzipiert, zeigt die Ausstellung mit Texten, Ton- und Videoinstallationen die Realität von Gewalt im Familienkreis. Aufgeteilt in Küche, Schlaf-, Kinder- und Wohnzimmer werden mit unterschiedlichen Schwerpunkten Tatsachenberichte betroffener Frauen und Kinder vorgestellt. Diese sind eingebettet in den sozialen und rechtlichen Kontext, widergespiegelt durch Übersichtstafeln beispielsweise zur Entwicklung der Rechtslage in Bezug auf sexuelle Gewalt in der Ehe.

Die Ausstellung ist noch bis 10. Dezember im Foyer des Juridicum zu sehen.



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